Es war kurz nach 7 Uhr morgens, als ich vor dem Büro meiner Chefin stand. Ich hatte gerade meinen siebten Nachtdienst in Folge hinter mir. Sieben mal zwölf Stunden durchgemacht, unzählige Narkosen und Notfälle begleitet.
Mein Kopf war leer, meine Hände zitterten leicht, nicht zuletzt weil Kaffee mein kleiner Retter in solchen Nächten war.
Ich klopfte. Ging rein. Setzte mich nicht.
Ich sagte ihr, dass ich keine sieben Nachtdienste mehr am Stück machen kann. Dass sie meinen nächsten Block aufteilen muss, weil es einfach zu viel für mich ist.
Sie wurde wütend. So geht das nicht, sagte sie. Jeder komme immer mit irgendwelchen Wünschen zu ihr.
Sie habe die ganzen Krankmeldungen zu verteilen, Dienstpläne umzuwerfen, Lücken zu stopfen. Jetzt komme ich, ohne Grund, und will was geändert haben.
Ich erinnere mich, dass ich nichts gesagt habe. Ich bin rausgegangen. Habe die Tür leise zugemacht.
Auf dem Weg zum Spind wusste ich etwas, das ich vorher nur geahnt hatte.
Wenn ich hier bleibe, werde ich selbst eine der Patientinnen, die ich auf dem OP-Tisch für die Narkose vorbereite.
Ich war Mitte 20.
Was mein Körper mir damals zu sagen versuchte
Ich hatte seit sechs Monaten die Diagnose Hashimoto. Mein Arzt hatte mir damals eine Tablette in die Hand gedrückt und gesagt, die musst du ab jetzt jeden Tag einnehmen, dein Leben lang, dann ist alles gut.
Mehr nicht.
Ich war täglich müde, gereizt, energielos, hatte angefangen zuzunehmen, meine Haut war schlecht geworden, mein Schlaf zerrissen. Aber für ihn war das kein Gespräch. Die Symptome sind klassisch für Schilddrüsenprobleme, mit der Tablette wird das wieder besser. Das war's.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen und konnte mich damit nicht abfinden. Also suchte ich weiter.
In Büchern, Workshops, Weiterbildungen bin ich tiefer in die ganzheitliche Funktionsweise unseres Körpers eingestiegen. Ich kann dir sagen: Nichts davon habe ich in meiner Krankenpflege-Ausbildung jemals gehört. Aber alles, was ich gelernt habe, hat Sinn gemacht.
Also fing ich an, kleine Dinge zu verändern. Wann ich esse. Wie oft. Was.
Wie lange ich schlafe. Ob ich mich an Tagen ohne Frühdienst überhaupt bewege. Lauter Dinge, nach denen kein Arzt jemals gefragt hatte.
Mein Körper hat darauf reagiert. Woche für Woche hatte ich wieder mehr Energie für Dinge außerhalb meiner Arbeit, für Sachen, die mir Freude machten.
Ich war weniger müde, weniger gerädert. Im Kopf klarer. Es fühlte sich an, als würde ich Stück für Stück wieder zu mir kommen.
Warum das Bürogespräch der Wendepunkt war
Genau in diese Phase fielen die sieben Nachtdienste. Mein Körper hatte gerade angefangen, mit mir zu reden. Ich hatte gerade angefangen, ihm zuzuhören.
Deshalb war das Bürogespräch nicht ein Bürogespräch. Es war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass das System, in dem ich arbeite, mein Zuhören nicht zulässt.
Dass meine Chefin mir nichts Böses wollte, wenn sie nein sagte. Sie war selbst überlastet, und sie versuchte, einen Ausnahmezustand zu verwalten, in dem wir alle nur noch funktioniert haben.
Aber ich hatte gerade gespürt, wie vital mein Körper sein kann, wenn ich ihm die ganz normalen Dinge gebe. Regelmäßige Mahlzeiten. Schlafenszeiten. Erholungspausen.
In diesem Moment im Flur musste ich mir eingestehen: Ein Körper, der gerade wieder lernt zu sprechen, hat in diesem System keinen Platz.
Vielleicht sitzt du gerade auch in so einem Bürogespräch
Ich erzähle dir das, weil ich weiß, dass es vielen Frauen so geht. Vielleicht sitzt du gerade auch in so einem Bürogespräch. Nicht buchstäblich. Aber sinngemäß.
Du funktionierst seit Jahren für alle und spürst gleichzeitig, dass dein Körper dir seit einer Weile etwas sagen will. Dass er deine Aufmerksamkeit braucht.
Vielleicht ist es Müdigkeit, die kein Wochenende mehr wegmacht. Vielleicht sind es die Kilos, die seit zwei Jahren mehr werden, obwohl du nichts anders machst. Vielleicht sind es schlaflose Nächte, in denen du um drei aufwachst und nicht mehr einschläfst.
Was ich dir gleich erzähle, sind drei Geschichten aus dem OP. Sie sind nicht über die Patientinnen, die ich vorbereitet habe. Sie sind über uns beide.
Erste Geschichte: Die Patientinnen, denen niemand das ganze Bild gezeigt hat
Das Muster am OP-Tisch
Ich war Anästhesieschwester. Das heißt, ich war an jeder Operation beteiligt, an der ein Mensch in Narkose gelegt wurde.
Wir wurden in verschiedene Richtungen eingeteilt. Trauma, Bauch, Gefäße, Orthopädie, Auge, HNO. Jeder OP-Saal hatte seine eigenen Patientinnen und Patienten, seine eigenen Eingriffe, seine eigenen Muster.
Wenn ich in der Traumatologie eingeteilt war, sah ich an einem normalen Tag mehrere Patientinnen und Patienten, die zur Knie-OP kamen. Wie viele genau, hing davon ab, wie der OP-Plan stand.
Aber das Muster war fast immer dasselbe. Der allergrößte Teil von ihnen war übergewichtig. Dazu kam meistens ein Sportler oder eine Sportlerin mit einer Sportverletzung.
Die Sackgasse aus Schmerz und Bewegung
Die Patientinnen und Patienten mit Übergewicht hatten alle dasselbe Problem. Sie hatten so starke Schmerzen, dass jede Bewegung zur Qual wurde.
Treppen, Einkaufen, Spazierengehen, alles war ein Kampf. Ihre Ärzte hatten ihnen gesagt, dass sie eigentlich abnehmen müssten, bevor das Knie operiert werden kann.
Aber genau das war ja der Punkt: Abnehmen geht nicht ohne Bewegung, und Bewegung geht nicht mit so einem Knie.
Die Lösung war eine Doppel-OP. Zuerst die kleinere. Spiegelung, Knorpel glätten, etwas, das die Schmerzen lindert.
Damit man wieder gehen kann. Damit zwanzig Kilo runterkommen. Erst dann die eigentliche große OP.
Ich habe diesen Plan unzählige Male im OP gehört, und jedes Mal hat sich etwas in mir zusammengezogen.
Was niemand am OP-Tisch erklärt hat
An dem Punkt hatte ich schon angefangen, an meinem eigenen Körper zu lernen. Ich wusste damals noch nicht alles, was ich heute weiß. Aber ich wusste schon eines: Bewegung ist nicht die einzige Stellschraube, an der man drehen kann, wenn man Gewicht verlieren will.
Es gibt eine ganze Reihe weiterer Hebel, die man auch dann noch bewegen kann, wenn das Knie kaputt ist. Wie man isst. Wann man isst. Wie man schläft. Was man trinkt. Wie man mit Stress umgeht.
Das alles wirkt zusammen auf den Körper, und es wirkt unabhängig davon, ob man morgens joggen kann oder nicht.
Ich hatte diese Zusammenhänge gerade selbst an meinem eigenen Körper entdeckt und tiefer verstanden. Ich stand neben Patientinnen und Patienten am OP-Tisch, denen das niemand erklärt hatte.
Der Traumatologe hat seine Arbeit gemacht. Er ist Spezialist, sein Auftrag ist das Knie. Er macht es ganz, so gut er kann.
Aber Aufklärung über Lifestyle, über Ernährung, über Schlaf, über Stress, über die Zusammenhänge im Körper, das war und ist nicht sein Auftrag.
Die Lücke im System
Das Problem, das ich in dieser Zeit erkannt habe, ist, dass es in der Klinik niemandes Auftrag ist. Es ist im System nicht vorgesehen, dass jemand sich neben die Patientin setzt und ihr in Ruhe erklärt, was sie sonst noch ändern könnte und müsste.
Um den Körper bestmöglich auf die OP vorzubereiten. Im besten Fall sogar, um die OP-Indikation zu verhindern. Aber dafür gibt es keine Zeit, kein Budget, keine Ausbildung.
So sitzen die Patientinnen und Patienten in den unterschiedlichen Spezialabteilungen, mit Schmerzen, Übergewicht, Verdauungsproblemen, und warten auf den OP-Termin.
Sie sind nicht zu schwach. Sie sind nicht zu disziplinlos. Ihnen hat schlichtweg niemand gezeigt, dass unser Körper als Ganzes funktioniert.
Dass es nicht reicht, ihn in einzelnen Bereichen zu reparieren. Man muss ihn als Ganzes anschauen.
Der Gedanke, den ich am Ende täglich hatte
Ich erinnere mich an die letzten Monate in der Klinik. Vor allem an die Frauen, die zu mir an den OP-Tisch kamen.
Wenn ich bei der Narkoseeinleitung neben ihnen stand, ihre Hand hielt, habe ich immer wieder mit mir gehadert. Wie können wir diese Lücke schließen?
Sie wussten einfach nicht, dass es einen anderen Weg gibt. Dass es Möglichkeiten gibt, ihren Körper besser vorzubereiten, ihn zu unterstützen, vielleicht sogar die OP zu vermeiden.
Sie wussten es nicht, weil ihnen in der Klinik niemand das ganze Bild zeigt. Deshalb werden sie in einem halben Jahr wiederkommen. Für die nächste OP.
Diesen Gedanken hatte ich am Ende täglich.
Zweite Geschichte: Vier Diagnosen, ein Körper, der niemandem zuhörbar war
Die Vorgeschichte, die fast immer dieselbe war
Andere OP-Säle, in denen ich oft eingeteilt war, waren die Viszeralchirurgie und die Gefäßchirurgie. Dort werden Eingriffe an Bauchorganen und Gefäßen gemacht.
Die Patientinnen und Patienten, die in diesen beiden Sälen auf dem Tisch lagen, hatten fast alle eine ähnliche Vorgeschichte.
Sie hatten Bluthochdruck. Sie hatten erhöhte Cholesterinwerte. Viele hatten Diabetes Typ 2.
Fast alle waren übergewichtig. Ein großer Teil von ihnen hatte geraucht oder rauchte noch. Die meisten hatten sich über Jahre schlecht ernährt.
Diagnosen wie auf einer Einkaufsliste
Wenn ich den Anamnesebogen durchgeschaut habe, um die richtigen Dinge für die Narkose vorzubereiten, las ich diese Befunde durch. Vier, fünf, manchmal sechs Diagnosen auf einem Bogen.
Aufgelistet wie Gegenstände auf einer Einkaufsliste. Jede einzelne Diagnose hatte ihren eigenen Spezialisten.
Der Kardiologe für das Herz. Der Endokrinologe für den Diabetes. Der Hausarzt für die Tabletten. Der Chirurg für das Organ oder das Gefäß, das jetzt operiert werden musste.
Aber niemand hatte den Patientinnen und Patienten je gesagt, dass diese vier oder fünf Diagnosen nicht zufällig nebeneinander stehen. Dass sie zusammenhängen. Dass sie sich gegenseitig befeuern.
Ein Körper, der lange gesprochen hat
Bluthochdruck und Übergewicht hängen zusammen. Diabetes und Ernährung hängen zusammen. Cholesterin und Lifestyle hängen zusammen.
Stress, Schlaf und Bewegung wirken auf alle vier. Diese Diagnosen sind kein Pech und keine Aneinanderreihung von Zufällen.
Sie sind ein Körper, der über viele Jahre versucht hat, sich auszudrücken. Aber niemand hat ihm zugehört. Bis er auf dem OP-Tisch lag, um das Symptom wegmachen zu lassen, das jetzt zur Belastung geworden war.
Statt es zu verstehen. Statt die Ursache anzugehen.
Warum niemand den ganzen Menschen sieht
Ich habe nach meiner eigenen Diagnose angefangen, die Sprache unseres Körpers zu studieren. Ich kann dir sagen: Die Diagnosen sind nicht das eigentliche Problem.
Auch die Ärzte machen ihre Arbeit. Der Punkt ist, dass das System so aufgebaut ist, dass jeder Spezialist ein einzelnes Organ behandelt. Niemand sieht den ganzen Menschen.
So kommen die Patientinnen und Patienten in den OP, lassen sich das Organ oder das Gefäß reparieren, gehen wieder nach Hause mit denselben Medikamenten, denselben Gewohnheiten, demselben Stress.
In drei oder fünf Jahren liegt das nächste Organ auf dem Tisch.
Signale, die vor Jahren noch hörbar waren
Je tiefer ich in die ganzheitliche Funktionsweise unseres Körpers eingestiegen bin, umso öfter dachte ich mir: Diese Diagnosen waren vor einigen Jahren noch ein Signal.
Müdigkeit. Gewichtszunahme. Schlechter Schlaf. Energielosigkeit. Verdauungsprobleme. Gelenkbeschwerden.
Wenn damals jemand gesagt hätte, was diese Signale bedeuten und was man tun kann, um sie ernst zu nehmen, dann lägen einige dieser Menschen heute nicht auf dem OP-Tisch.
Ich wusste in dem Moment, dass meine Arbeit irgendwann woanders sein würde. Nicht im OP. Sondern zwanzig Jahre davor.
Dritte Geschichte: Als ich plötzlich auf beiden Seiten des OP-Tisches stand
Eine Diagnose, die ich aus zwei Perspektiven kannte
Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion sind in unserer Gesellschaft extrem verbreitet. Schau dich um, frag in deinem Umfeld nach, und du wirst Frauen finden, die damit leben.
Müde, schwerer als sie sein wollen, gereizter als früher, oft mit der Tablette in der Schublade und der Diagnose, die sie irgendwann hingenommen haben.
Ich hatte Hashimoto. Aber meine Ärzte hatten zu mir immer gesagt, es sei komisch, dass ich eine Unterfunktion habe. Ich passte nicht ins Bild.
Ich war nicht übergewichtig, nicht träge, nicht antriebslos. Ich war fit, lustig, quirlig, flink bei allem, was ich gemacht habe.
Was sie nicht wussten
Was sie nicht wussten: Vor meiner Diagnose hatte ich die ersten Veränderungen längst gespürt. Energielosigkeit, die nicht weggeht.
Eine Lustlosigkeit, die ich vorher nicht kannte. Eine Müdigkeit, die kein Wochenende mehr ausgleichen konnte. Eine leichte Gewichtszunahme, die nicht zu meinem Essverhalten passte.
Ich hatte das alles auf die Arbeit geschoben. Auf die Schichten. Auf die vielen Nachtdienste.
Ich war jung, ich habe funktioniert, ich habe weitergemacht. Bis die Diagnose kam. Mit der Diagnose die Tablette.
Wie sich mein Blick im OP verändert hat
Ich habe dir vorhin erzählt, was danach passiert ist. Wie ich angefangen habe, in Büchern, Workshops und Weiterbildungen tiefer einzusteigen.
Wie ich begonnen habe, kleine Dinge in meinem Alltag zu verändern. Schlaf. Mahlzeiten. Bewegung. Pausen.
Wie mein Körper darauf reagiert hat, Woche für Woche ein Stück mehr.
Was ich dir jetzt erzähle, ist, was diese Veränderung mit meinem Blick im OP gemacht hat.
Wenn Patientinnen mit Schilddrüsen-Problemen zu einer Operation kamen, habe ich die Anamnese nicht mehr nur für die Narkose studiert. Ich habe sie studiert, um Zusammenhänge zu erkennen.
Hatte sie auch Bluthochdruck? Wie war ihr Cholesterin? Gab es Diabetes in der Familie? Schlief sie gut? Hatte sie eine Verdauung, die funktionierte?
Der Moment der Erkenntnis
Aus meiner eigenen Geschichte hatte ich verstanden, dass die Schilddrüsenunterfunktion nicht das Ende der Kette ist. Sie ist oft der Anfang.
Wenn der Körper aus der Balance gerät und niemand hinschaut, kommen die anderen Themen dazu. Gewicht, das nicht mehr runtergeht. Insulinresistenz. Bluthochdruck. Gelenkbeschwerden.
Ich stand neben diesen Patientinnen mit derselben Diagnose, die sie hatten. Ich wusste in diesem Moment: Wenn ich nicht aufhöre, gegen meinen Körper zu kämpfen und ihn zu unterdrücken, dann sind weitere Zivilisationskrankheiten die logische Konsequenz.
Worum es mir wirklich geht
Das ist die Stelle, an der ich kurz innehalten will. Denn ich will nicht, dass das hier missverstanden wird.
Hashimoto ist nicht durch Lifestyle heilbar. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine reale, hormonelle Erkrankung, und für viele Frauen ist die Tablette das Richtige.
Ich nehme selbst auch diese Tablette. Aber ich habe meinen Lebensstil so angepasst, dass ich die Dosis auf einem Minimum halten kann, ohne starke Schübe, ohne die klassischen Schilddrüsen-Symptome. Darauf bin ich stolz, und ich bin sehr dankbar dafür.
Es geht nicht darum, dass jede Frau mit Hashimoto ihre Tablette wegwerfen soll. Es geht darum, dass mir niemand gesagt hat, dass Lifestyle überhaupt eine Rolle spielt.
Dass es Stellschrauben gibt, an denen ich drehen kann, neben der Tablette. Dass mein Körper mehr ist als ein hormoneller Wert.
Genau um diese Erkenntnis geht es mir. Wir alle haben jeden Tag die Möglichkeit, unseren Körper auf unterschiedliche Art und Weise zu unterstützen.
Indem wir aufhören, gegen ihn zu kämpfen und zu funktionieren. Indem wir beginnen, ihm zuzuhören.
Vor allem für uns Frauen ist das wichtig, weil wir durch unseren Zyklus allein schon unterschiedliche Dinge brauchen, in unterschiedlichen Phasen, an unterschiedlichen Tagen.
Die Entscheidung war innen schon gefallen
Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass ich gehen muss. Nicht aus Wut auf das System. Nicht aus Erschöpfung allein.
Sondern weil ich gesehen habe, dass meine Arbeit nicht im OP sein kann, wenn ich diese Verbindung gesehen habe und sie ungenutzt lasse.
Das Bürogespräch mit meiner Chefin war dann nur noch die letzte Tür, die sich geschlossen hat. Die Entscheidung war innen schon gefallen.
Warum ich dir das alles erzähle
Warum die Klinik nicht der richtige Ort war
Ich habe die Klinik verlassen, weil ich verstanden habe, dass die Arbeit, die ich machen wollte, dort nicht stattfindet. Nicht weil die Klinik schlecht ist.
Sondern weil sie für etwas anderes gebaut ist. Für Reparatur, wenn es schon zu spät ist. Nicht für die Jahre davor.
Was die Frauen heute zu mir bringen
Heute begleite ich Frauen ab 40 dabei, gesund und nachhaltig abzunehmen. Denn Übergewicht ist der größte Risikofaktor für weitere Zivilisationskrankheiten.
Die Frauen, die zu mir kommen, sind mit ihrem Körper an einem Punkt angekommen, an dem sie merken: So wie bisher geht es nicht weiter.
Die meisten von ihnen haben schon viel probiert. Diäten, Pläne, Apps, Studios. Sie sind klug, informiert, lesen viel, wissen viel.
Was ihnen fehlt, ist nicht das Wissen an sich. Es ist jemand, der ihnen hilft, all dieses Wissen auf ihren Körper und ihren Alltag abzustimmen.
Jemand, der mit ihnen zusammen die richtigen Stellschrauben findet. Denn nichts verändert so viel wie die richtigen Hebel, in der richtigen Reihenfolge, aufeinander abgestimmt.
Was ich von dir gerade nicht will
Ich schreibe diesen Artikel nicht, um dich zu verängstigen. Ich möchte auch nicht, dass du nach diesem Text das Gefühl hast, du müsstest jetzt schnell etwas tun.
Ich möchte das Gegenteil. Ich möchte, dass du langsamer wirst. Dass du dir einen Moment Zeit nimmst, vielleicht heute Abend, vielleicht am Wochenende, und dir eine einzige Frage stellst.
Welches Signal deines Körpers ignorierst du gerade?
Wahrnehmen ist nicht bewerten
Es muss nichts Großes sein. Es kann eine Müdigkeit sein, die nicht weggeht. Eine Gewichtszunahme, die du dir nicht erklären kannst.
Ein Schlaf, der zerrissen ist, ohne dass du weißt warum. Eine Reizbarkeit, die nicht zu dir gehört. Eine Verdauung, die seit Monaten anders ist.
Es kann auch etwas Leiseres sein, das du noch nicht in Worte fassen kannst.
Nimm es wahr. Mehr musst du erstmal nicht tun.
Ganz wichtig an dieser Stelle: Wahrnehmen und anerkennen ist nicht bewerten. Nicht analysieren. Nicht lösen. Nicht beheben.
Einfach hinschauen.
Denn das ist der erste Schritt. Nicht ein Plan. Nicht eine Diät. Nicht ein neues System.
Sondern einmal das eigene Signal hören, statt es wegzudrücken.
Vielleicht ist dieser Text dein Bürogespräch
Ich erzähle dir diese Geschichten aus dem OP, damit du verstehst, dass ich nicht aus dem Lehrbuch spreche. Ich habe gesehen, was passiert, wenn ein Körper über viele Jahre spricht und niemand zuhört.
Ich habe selbst angefangen zuzuhören, in einem Moment, in dem ich auch wegschauen hätte können. Ich habe seitdem unzählige Frauen begleitet, die dasselbe gemacht haben, jede in ihrem Tempo, jede auf ihrem Weg.
Wenn ich heute zurückdenke an den Tag mit meiner Chefin, bin ich unendlich dankbar. Sie war der letzte Schubs, den ich gebraucht habe, um meinen eigenen Weg zu gehen.
Um eine Lücke im System zu schließen, für die es bis dahin keine Lösung gab.
Vielleicht ist dieser Text dein Bürogespräch. Nicht weil du irgendwo rausgehen musst. Sondern weil du anfangen darfst, hinzuhören.
Für und mit dir, statt gegen dich.
Welches Signal deines Körpers ignorierst du gerade?
Schreib es dir diese Woche einmal auf. Mehr musst du nicht tun.


